Accesskeys

Regionalanästhesie

Bei Regionalanästhesien für operative Eingriffe wird die Schmerzempfindung unterbrochen durch eine vorübergehende Blockade der Nerven am Rücken oder am Arm oder am Bein.

 

Bei jeder Regionalanästhesie können jederzeit zusätzlich schmerzlindernde oder beruhigende Medikamente (Sedierung) gegeben werden. Zur Ablenkung können Sie aber auch Musik über Kopfhörer hören. Sollte die Wirkung einer Regionalanästhesie nicht ausreichen, um Sie schmerzfrei operieren zu können, oder sollten andere Komplikationen auftreten, kann ein Übergang zur Allgemeinanästhesie erforderlich werden. Bitte lesen Sie dazu auch das Kapitel über die Allgemeinanästhesie.

1 Rückenmarksnahe Regionalanästhesien

Rückenmarksnahe Regionalanästhesien

Mit einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie können bestimmte Eingriffe unterhalb der Schlüsselbeine und die meisten Eingriffe unterhalb des Bauchnabels (Unterbauch, Becken und Beine) schmerzfrei durchgeführt werden. Es werden die vom Operationsgebiet zum Rückmark führenden Nerven betäubt. Die Betäubung wird in der Regel in Seitenlage durchgeführt.

 

1.1 Spinalanästhesie

 

Bei der Spinalanästhesie wird ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in den mit Nervenflüssigkeit gefüllten Raum der Lendenwirbelsäule (Liquorraum;Liquor = Nervenflüssigkeit Dura mater = Rückenmarkshaut Spinalanästhesie: Das Betäubungsmittel wird durch die Dura mater in den Liquorraum gespritzt) eingespritzt. Sie verspüren ein Wärmegefühl in den Beinen und können diese schon bald nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewegen. Die Wirkdauer der Spinalanästhesie beträgt ungefähr 2 - 4 Stunden.

 

1.2 Periduralanästhesie und kombinierte Spinal-Epiduralanästhesie

 

Für länger dauernde Eingriffe oder in speziellen Situationen wird eine Periduralanästhesie (PDA) oder eine kombinierte Spinal-Epiduralanästhesie (CSE) durchgeführt. Es dauert einige Minuten, bis die Wirkung einsetzt. Der betäubte Bereich wird warm und allmählich gefühlslos; die Beine lassen sich mehrere Stunden nicht oder nur eingeschränkt bewegen. Nach Ende der Operation wird der im Bereiche der Lendenwirbelsäule eingelegte Periduralkatheter in der Regel wieder entfernt.

(Periduralanästhesie = Das Betäubungsmittel wird um die Dura mater herumgespritzt. Nur der Periduralkatheter bleibt, die Nadel wird entfernt.)

 

1.3 Kombination von Periduralanästhesie und Allgemeinanästhesie

 

Für grössere Operationen an Brustkorb- und Bauchorganen (z.B. Lunge, Speiseröhre, Magen, Darm, Leber) ist die Kombination von Peridural- und Allgemeinanästhesie sinnvoll. Die Allgemeinanästhesie erspart Ihnen vor allem das bewusste Erleben der relativ langen Operation und ermöglicht eine künstliche Beatmung. Die Periduralanästhesie dient der Schmerzausschaltung während, vor allem aber nach der Operation.

(Der Periduralkatheter ermöglicht eine effektive Schmerztherapie nach der Operation.)

 

1.4 Mögliche Risiken von Spinal- und Periduralanästhesie

 

Ebenso wie bei der Allgemeinanästhesie sind schwere Nebenwirkungen äusserst selten. Leichtere und rasch behebbare Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Verlangsamung des Herzschlages oder vorübergehende Blasenentleerungsstörungen sind möglich.

2 Periphere Nervenblockaden

Nervenblockaden an Schulter, Arm und Hand

 

Für Operationen an Schulter, Arm oder der Hand kommen Armplexusanästhesien in Frage. Ihr Anästhesiearzt schaltet nur das Schmerzempfinden in Ihrer Schulter oder Ihrem Arm aus. Das Nervengeflecht, das die Schulter bzw. den Arm versorgt (Armplexus), wird durch Einspritzen eines Lokalanästhetikums vorübergehend betäubt.

 

Zum Aufsuchen der Nerven verwendet Ihr Anästhesiearzt einen Nervenstimulator. Mit schwachen elektrischen Impulsen werden die zu betäubenden Nerven stimuliert und nicht schmerzhafte unwillkürliche Muskelzuckungen ausgelöst, die die richtige Position der Injektionsnadel anzeigen.

 

Das örtliche Betäubungsmittel beginnt nach etwa 10-15 Minuten zu wirken: der betäubte Arm wird warm und gefühllos, der Arm lässt sich mehrere Stunden nicht oder nur eingeschränkt bewegen.

 

2.2 Nervenblockaden am Bein

 

Für Operationen im Bereich des Kniegelenks, des Unterschenkels und Fusses besteht die Möglichkeit, nur die Nerven des betroffenen Beines zu betäuben. Dafür wird unterhalb der Leiste und am Oberschenkel (oder am Gesäss) in die Nähe der Nerven örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. Das Bein ist danach vom Oberschenkel abwärts gefühllos und Operationen können schmerzfrei durchgeführt werden. Für Operationen am Fuss kann die Blockade einzelner Nerven auch in Höhe des Knies oder des Fussgelenks durchgeführt werden.

 

Wie schon bei der Armplexusanästhesie beschrieben, verwendet Ihr Anästhesiearzt auch hier einen Nervenstimulator, um die Nerven zu finden.

 

2.3 Mögliche Risiken der Nervenblockaden

 

Ebenso wie bei der Allgemeinanästhesie sind schwere Zwischenfälle, z.B. Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand, äusserst selten.

3 Die intravenöse Regionalanästhesie an Arm und Bein

Die sogenannte intravenöse Regionalanästhesie ist für bestimmte kleine Eingriffe an Hand und Unterarm, bzw. Fuss und Unterschenkel geeignet. Der Anästhesiearzt spritzt ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in eine Vene des zu operierenden Gliedmassenabschnittes ein. Zuvor wird eine Blutleeremanschette angelegt und aufgeblasen. So verteilt sich das Lokalanästhetikum nur in diesem Bereich und betäubt ihn.

 

3.1 Mögliche Risiken der intravenösen Regionalanästhesie

 

Wie bei der Allgemeinanästhesie sind schwere Zwischenfälle, z.B. Krampfanfälle oder Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand, äusserst selten. Sie werden durch Unverträglichkeitsreaktionen auf die verwendeten Medikamente oder dadurch, dass zu grosse Lokalanästhetikamengen in den Kreislauf gelangen, hervorgerufen. Kompressionsschäden durch die Druckmanschette (z.B. Nervenschäden mit Lähmungen und Gefühlsstörungen) sind ebenfalls sehr selten.

4 Regionalanästhesie in der Geburtshilfe

Im Bereich der Geburtshilfe bieten wir alle modernen Formen der rückenmarknahen Schmerztherapie an. Eine anästhesiologische Versorgung im Gebärsaal während 24 Stunden ist dabei gewährleistet.

 

Zur Geburtserleichterung wird in erster Linie die Periduralanästhesie (PDA) mit Katheter angewendet. Bei dieser Methode wird die Schmerzleitung, die über Nervenbahnen von der Gebärmutter und den Geburtswegen zum Rückenmark verläuft, durch medikamentöse Blockade der Schmerzfasern im Bereich der Lendenwirbelsäule unterdrückt. Durch eine Kombination aus Medikamenten zur örtlichen Betäubung (Lokalanästhetika) und Schmerzmedikamenten (Opioiden) kann so eine wirksame und nebenwirkungsarme Schmerztherapie erzielt werden.

 

Zur Kaiserschnittentbindung (Sectio), bei der neben Schmerzfreiheit auch eine Muskelerschlaffung des Bauchraumes erwünscht ist, wird bevorzugt die Spinalanästhesie angewendet. Wurde im Gebärsaal ein Periduralkatheter zur Schmerzbehandlung eingelegt, wird für einen Kaiserschnitt die Periduralanästhesie mit stärker muskelerschlaffenden Medikamenten weitergeführt. Selbstverständlich wird zur Sectio bei bestimmten Indikationen oder auf Ihren Wunsch auch eine Vollnarkose durchgeführt, wenngleich Untersuchungen deutliche Vorteile der Regionalanästhesie gegenüber der Allgemeinanästhesie für Mutter und Kind gezeigt haben.

5 Häufig gestellte Fragen zur Regionalanästhesie

Reicht die Betäubung für die Zeit der Operation aus?

Ja, normalerweise reicht die Regionalanästhesie für die Zeit der Operation aus. Wird eine längere Operationsdauer erwartet, so kann ein Verweilkatheter platziert werden, über den bei Bedarf jederzeit nachgespritzt werden kann.

 

Falls die Operation unerwartet länger dauert, habe ich dann Schmerzen?

Nein, Sie müssen keine Schmerzen haben. Sollte die Betäubung abklingen, so können Sie zusätzlich über die Infusion Schmerzmittel erhalten. Auch der Übergang auf eine Allgemeinanästhesie ist jederzeit möglich.

 

Bin ich während der Operation wach?

Wenn Sie es wünschen, können Sie die Operation schmerzfrei und wach erleben. Wenn Sie jedoch etwas schlafen möchten, können wir Ihnen ein Schlafmittel in die Infusion geben. Zur Entspannung können Sie Musik über Kopfhörer geniessen. Gewisse Eingriffe werden in einer Kombination von Regional- und Allgemeinanästhesie durchgeführt, dabei werden Sie nach Anlegen der Regionalanästhesie in den schlafähnlichen Zustand der Vollnarkose versetzt.

 

Kann ich bei der Operation zuschauen?

Bei jeder Operation muss das Eindringen von Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen in die Wunde mit allen Mitteln verhindert werden. Die Haut wird daher vorher sorgfältig desinfiziert, das Operationsfeld nach allen Seiten mit keimfreien Tüchern abgedeckt. In der Regel können Sie daher nicht bei der Operation zuschauen. Ausnahmen bilden u.U. Gelenkspiegelungen (Arthroskopien), bei denen Sie die Operation auf einem Fernsehbildschirm verfolgen können.

 

Wie schnell wirkt die Regionalanästhesie?

Die Wirkung der Lokalanästhetika setzt innerhalb einiger Minuten ein, es kann aber manchmal länger dauern, bis die Anästhesie ihre volle Ausprägung erreicht hat.

 

Kann ein bleibender Schaden durch die Regionalaästhesie entstehen?

Alle für die Regionalanästhesie verwendeten Materialien und Medikamente wurden speziell im Hinblick darauf entwickelt, das Risiko einer Nervenschädigung möglichst auszuschliessen. Bleibende Schäden sind daher heute extrem selten.

Servicespalte

Kantonsspital St.Gallen

Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Rettungs- und Schmerzmedizin
Rorschacher Strasse 95
CH-9007 St.Gallen
Telefon +41 71 494 15 02